28 Apr

Bio: Hoffnung für die Zukunft?

Zum Thema „Bio“ kursieren die unterschiedlichsten Meinungen und auch die unterschiedlichsten Gerüchte. Die einen sind überzeugt davon, dass Bio Landbau der einzig gangbare Weg ist, die anderen werden nicht müde, verschiedenste missbräuchliche Vorgangsweisen ans Licht zu bringen, um zu beweisen, dass Bio nicht besser ist als alles andere. Soviel gleich vorweg: Ja, mit Bio wird viel Schindluder getrieben, ja, die gesetzlichen Bestimmungen und die Ausweisungszertifikate für Bioprodukte sind von Land zu Land so verschieden, dass man keine durchgängige Qualitätsrichtlinie feststellen kann. Dennoch: Wenn man vergleicht, wie in vielen Ländern herkömmliche Gemüse und Obst produziert wird oder Tiere gehalten werden, dann muss man fordern, dass Bio der Standard wird, weil es zumindest eine Veränderung zum Besseren bedeutet.


Als Laie darf man sich bewusst machen: Bio ist nicht einfach nur, plötzlich auf Industriedünger und Insektizide zu verzichten. Bio bedeutet mehr und das wirkt sich positiv nicht nur auf die Qualität unserer Lebensmittel aus. Wer auf Bio Landbau umstellt, muss sich mehr um Böden und Äcker, um Fruchtfolge und Nützlinge kümmern, um ertragreich anbauen zu können. Spezielle Bodenbearbeitungsgeräte sorgen dafür, dass der Boden besser durchlüftet wird und Gräser und Nutzpflanzen somit besser wachsen, ohne künstliche Düngemittel zu benötigen. Damit allein wird die Lebensqualität der Flora und Fauna in der näheren Umgebung erheblich verbessert, Pflanzen und Tiere, die in der herkömmlichen Landwirtschaft keinen Platz mehr haben, dürfen sich wieder ansiedeln. Die Biodiversität steigt.

Denn das ist ein Faktor, den wir gern einmal vergessen: In der herkömmlichen Landwirtschaft mit monotonen Flächen oder Turbo Viehzucht sinkt die Biodiversität rapide und wir als Konsumenten und Konsumentinnen bekommen kaum mit, dass wir aufgrund unseres Wunsches, alles möglichst billig kaufen zu können dafür sorgen, dass die Artenvielfalt in einem Großstadtpark dann meist höher ist als „draußen am Land“. Hier darf schnellstens umgedacht werden und das ist der Grund, warum ich überzeugt davon bin, dass Bio die Zukunft ist. Nicht für uns und nicht für unsere Kinder, sondern für all die Arten, die nun bedroht sind, weil wir ihnen den Lebensraum entziehen.

Warum ich überhaupt auf dieses Thema komme?

Nun, zunehmend beobachte ich Bekannte, die nun ihren Lebensabend antreten und sich in ihre gepflegten Golfrasengärten mit Swimmingpool zurückziehen. Sie begreifen selbst im Alter noch nicht, dass es zum einen an uns als Konsumenten liegt, wie es weitergeht auf dieser Welt, zum anderen aber auch als Gartenbesitzer. Solange die Landwirtschaft so weiter betrieben wird, wie bisher, sind wir als Kleingärtner in der Verantwortung, Lebensräume zu erhalten.

Und mein Wunsch für unser Altersprojekt ist klar: Ein Garten voller „Unkräuter“ Blühpflanzen, Beete und Insektenhotels, in dem es keinen Quadratmeter öden Rasen gibt.

Mit besten Grüßen

Eure Celine.

19 Mrz

Inklusion und was das mit einem Türschild zu tun hat

Letztens hatte ich eine sehr interessante Diskussion mit einer Dame, die sich für das Thema Inklusion einsetzt. Inklusion – was ist das überhaupt? Im Gegensatz zu „Integration“ zielt auf die „persönliche Anpassungsleistung“ eines Menschen ab, das bedeutet, dass Unterstützungen zur Integration immer darauf hinausführen, dass ein Mensch sich bestmöglich an die vorhandene gesellschaftliche Situation anpasst. Inklusion hingegen bedeutet, dass von vornherein keine Person aus dem alltäglichen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird, indem das System dementsprechend angepasst ist und sich in einer dauernden Veränderung befindet.

Die Dame, mit der ich sprach, sitzt im Rollstuhl und erklärte diesen Unterschied anhand ihrer eigenen Situation. Wenn es für Menschen mit Behinderung, welcher Art auch immer, im Alltag keine Schwierigkeiten mehr gibt und sie sich frei bewegen können, ohne auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein, dann wäre das Inklusion. Dazu gehört aber auch, dass diese Form des „behindertenfreundlich gestalteten Alltags“ nicht mehr als milde Gabe und Entgegenkommen, sondern als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Immerhin leben in Deutschland knapp acht Millionen schwer behinderte Menschen, das sind etwas mehr als 9% der Bevölkerung, in Österreich leben etwa 630.000 Menschen mit einer schweren Behinderung, insgesamt zählen die Menschen mit Behinderung in Österreich knapp 1,3 Millionen. Das sind fast 20% der Bevölkerung, die immer noch als „nicht normal“ wahrgenommen werden!. Und nicht zu vergessen, denn das ist der Punkt, der mich noch lange nach unserem Gespräch beschäftigte, diese Zahlen steigen mit zunehmendem Alter der Bevölkerung.

Mit dem Unterschied, dass über ältere Menschen grundsätzlich nicht im Sinne der Integration oder Inklusion nachgedacht wird. Klar, die Älteren kämpfen nicht oder kaum für ihre Rechte, bei alten Menschen wird immer noch einfach hingenommen, dass sie dies oder jenes nicht mehr machen können und wenn man viel Glück hat, wird man von der eigenen Verwandtschaft oder in einer Einrichtung überhaupt noch als Mensch gesehen – und nicht nur als Belastung. Nach diesem sehr intensiven Gespräch kam mir in den Sinn, wie es wohl wäre, wenn Rollstuhlrampen genauso normal wären wie klare und gut sichtbare Beschilderungen, mit denen nicht nur Sehbehinderte, sondern auch alte Menschen gut umgehen können. Was wäre, wenn Büroschilder und andere Türschilder grundsätzlich besser lesbar wären, genauso wie die Beschriftungen in U-Bahnen und auf Bushaltestellen? Wer jemals seine Brille zu Hause vergessen hat, wird mir beipflichten – das Leben da draußen kann auch ohne schwere Behinderung die Hölle sein. Es genügt, wenn man einfach älter wird und versucht, im Supermarkt die Herkunft eines Gemüses herauszufinden, das in einer Zweipunktschrift auf der Packung vermerkt ist.

Haben nur junge, gesunde Menschen das Recht, sich gut zu informieren? Was, wenn älter werden einfach dazu gehört und sich die Gesellschaft entsprechend verändert? Und nicht wir Älteren alles daran setzen müssen, möglichst lange jung zu wirken und mit aller Kraft zu tun, als würden wir das alles locker schaffen? Das tun wir nämlich nicht. Es beginnt mit der ärgerlich zu Hause vergessenen Brille, es endet mit Endlostreppen in Ämtern und Institutionen, mit labyrinthartig angelegten Institutionen und einem immer rapider werdenden Zeitdruck. Niemand hat mehr Zeit für lange Erklärungen.

Was wäre, wenn es nicht mehr am Einzelnen liegt, seine Beeinträchtigungen bestens zu kaschieren, sondern an der Gesellschaft, sie einfach anzunehmen? Meine Gedanken an einem trüben Spätwintertag. Und bald wird es Frühling.

Eure Celine

05 Jan

Überwintern im Süden

„Immer mehr Senioren überwintern im Süden“, eine Schlagzeile, die man jeden Winter aufs Neue in irgendeinem Magazin lesen kann. Wie viele es wirklich sind, weiß niemand so genau und offenbar ist es auch keinem wichtig, das zu recherchieren. Auch das Netz schweigt beharrlich zu den Zahlen. Fakt ist aber, dass Tourismusgebiete in Spanien und Portugal sich bereits auf die Überwinterer eingestellt haben und dass die, die es machen, nur Positives berichten.

Hier einige Links zum Thema:

Sommer, Sonne und nicht zu viel Sand

Menschen, die im Süden überwintern, sind meist jenseits der 60 und beziehen bereits Pension. Auch wenn immer mehr junge Menschen vor oder nach dem Studium eine Langzeitreise unternehmen oder mit ihrem selbst ausgebauten Camper einmal quer durch Europa touren: Die Hauptüberwinterer sind Menschen, die nicht mehr auf einen Arbeitsplatz angewiesen sind, unter der Kälte im Heimatland leiden und nicht mehr zu viel Sonne wollen. Und schon gar keinen Sand im Auto. Auch wenn Meer und Strand beliebt sind, muss ein Campingplatz, der Überwinterer beherbergt, nicht mehr direkt am Strand liegen, viel wichtiger ist die Infrastruktur und die Möglichkeiten, wenn das Wetter einmal nicht so gut ist.

So viel zu den Facts. Doch warum sollte man im Süden überwintern wollen?

Vor allem für Menschen, die zu Hause sehr sparsam leben und sich auf eine Alters WG oder ein Tiny House eingelassen haben, ist die Überwinterung bei angenehmen 16 bis 20 Grad eine grandiose Alternative. Die Gründe dafür habe ich nicht in Magazinen nachgelesen, sondern bei Menschen nachgefragt, die das wirklich tun. Und diese Gründe sind vielfältig:

  • Die Temperaturen sind für den Körper besser, schmerzende Knochen und Gelenke sind bei wärmeren Temperaturen besser zu ertragen
  • Die Heizkosten zu Hause sind höher als die Kosten für die Überwinterung
  • Man will Urlaub machen, aber nicht zur Hauptsaison
  • Der Sommer im Tiny House funktioniert gut, im Winter wird aber die Wohnsituation zu eng
  • Im Laufe der Jahre hat man an seinem Lieblings Urlaubsort eine Gemeinschaft aufgebaut, die man weiter erhalten möchte

Wie aber klappt der Alltag mit dem Überwintern?

Dazu nächste Woche mehr!

Eure Celine

15 Dez

Tiny House Genehmigungen

Bild zur Verfügung gestellt von Obermair Transporte

Als ich das erste Mal auf diesem Blog über Tiny Houses geschrieben habe, war alles noch eine Idee. Mittlerweile ist diese etwas weiter ausgereift, wenn es auch noch kein passendes Grundstück für die Co Aging Idee über Tiny Houses gibt.

Was die Genehmigungen für ein Tiny House angeht, gibt es zwei grundsätzliche Unterscheidungsmerkmale. Diese sind, ob das Tiny House transportabel ist, also auf Rädern steht, oder nicht. Die ursprünglichen Tiny Houses sind alle transportabel – und letztlich sind es auch jene, die keine Räder haben, wenn sie in Containerbauweise gebaut sind, also mit einem Sondertransport angeliefert und auch wieder entfernt werden können.

Hier die ersten baurechtlichen Facts, zur Verfügung gestellt von „Wohnwagon“, einer genialen österreichischen Initiative für alternatives Wohnen:

  • Wohnen am Campingplatz – die einfachste und unkomplizierteste Lösung. Voraussetzung ist naturgemäß, dass Dauercamper eingeplant sind.
  • In Kleingartensiedlungen. Dort ergibt die Idee allerdings nur Sinn, wenn es gestattet ist, dort auch zu WOHNEN – das ist bei vielen Kleingartensiedlungen nicht der Fall!
  • Im Sinne der Nutzung „Grünland Land- und Forstwirtschaft“ gibt es Sonderlösungen, die das Aufstellen und Bewohnen eines Tiny Houses gestatten, wenn durch das Gebäude die Pflege der Fläche sichergestellt ist. Wer also als Förster, Jäger oder landwirtschaftlicher Helfer arbeitet, hat gute Karten
  • Temporäres Wohnen. Dabei handelt es sich um eine Sonderlösung, die es gestattet, das Tiny House für einen absehbaren Zeitraum aufzustellen und zu bewohnen, zum Beispiel, weil das entsprechende Grundstück bereits als Baugrund gewidmet ist, aber noch keine Bautätigkeit stattfindet.
  • Amtliche Baugenehmigung. Die langfristigste aller Lösungen ist auch die komplizierteste und nicht alle Tiny Houses entsprechen den Anforderungen. Dazu – und zu allen anderen Punkten – kann man bei Wohnwagon genaue Auskunft geben und man hilft auch beim Behördenkram, eine große Erleichterung.

Wie kommt das Tiny House an seinen Bestimmungsort?

Nachdem ein Tiny House keine Hundehütte ist, die man eben mal im Baumarkt kauft und nach Hause transportiert, darf man sich über den Transport Gedanken machen. Ein Tiny House auf Rädern kann man, so es den straßenverkehrstechnischen Voraussetzungen entspricht (keine Überbreite hat) mit dem Anhänger transportieren. Dafür braucht man ein Zugfahrzeug, das man auch lenken darf. Wer noch nie mit einem Anhänger gefahren ist, sollte sich einen Profi für den Transport suchen.

Ein Tiny House, das nicht auf Rädern steht, muss mit einem Lkw angeliefert werden und dazu darf man sich einen Experten für Sondertransporte suchen. Je nach Größe des Hauses bedarf es dann auch noch eines Begleitfahrzeuges. Ihr seht also, hier spielen einige Faktoren mit. Die gute Nachricht: der Händler oder Hersteller, bei dem man das Tiny House kauft, bietet entweder den Transport mit an oder kennt sich mit den landesspezifischen Bestimmungen aus.

Man darf also getrost nachfragen!

Mehr zu den Tiny Houses in Bälde – und schöne Weihnachten!

Eure Celine.

27 Mai

The Voice of Peace

Liebe Freunde, vielleicht hat einer oder eine von Ihnen die spannende Sendung auf ARTE gesehen, die mich seit einigen Wochen bewegt. „The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan“ ist ein Dokumentarfilm über den Friedensaktivisten Abie Nathan, der ehemalige Kampfpilot, der wusste, dass Krieg nur Schaden bringt.

Um seine Ideen vom Frieden und vor allem vom Frieden im Nahen Osten, zu verbreiten, gründete er 1973 den Radiosender „Voice of Peace„, der über 20 Jahre lang gute Musik und die Botschaft des Friedens sendete – und zwar außerhalb der 3 Meilen Zone direkt vor Tel Aviv. So konnte keine Regierung rein rechtlich gegen das Sendeprogramm oder Abie Nathan vorgehen, doch er wurde in Israel doch für einige Zeit so etwas wie der Staatsfeind Nummer 1.

Abie war der festen Überzeugung, dass seine Botschaft etwas bei den Menschen bewirken würde und setzte sich aktiv für die Versöhnung zwischen Israelis und Arabern ein. Finanziert wurde der Piratensender durch Werbeeinnahmen und mit diesem Geld unterstützte Abie Nathan auch noch unzählige Projekte auf der ganzen Welt. Er spendete für die Opfer von Erdbeben, Hunger und Krieg in Kambodscha, Bangladesch, Biafra, Kolumbien und Äthiopien und war immer vor Ort, um die Situation einzuschätzen. Und daneben lief der Sender!

Ich war beindruckt von der Dokumentation, angespornt und voller Ideen. Denn wann wäre es nötiger als heute, wieder für den Frieden einzustehen? Es geht um so viel, in Europa und überall auf der Welt. Aber wir, wir können hier in Europa sofort aktiv werden. Ich überlegte, wieviel Zeit – und natürlich Geld – es brauchen würde, eine Internetradiostation ins Leben zu rufen. Das kann doch nicht so schwierig sein! Schon die Recherche brachte mich an den Rande des Wahnsinns und ich stellte fest, dass vielleicht erst einmal ein Sendung bei einem alternativen Radiosender genügen muss.

Hier allein die rechtlichen Grundlagen, und das ist nur ein kleiner Auszug:

http://www.eurolawyer.at/pdf/Rechtsfragen_Webradios.pdf

http://www.radio.at/

https://www.freequenns.at/uploads/media/Grundschulungsskript_Radio_1x1_COMMIT_2014.pdf

https://www.rtr.at/de/m/PrRG

Fra­gen & Ant­wor­ten

Ich habe mal wieder Lesematirial für die kommenden Wochen!

Und so viel ist klar: es mangelt, wenn man sich nicht zu 100 Prozent einer Sache verschreibt so wie Abie Nathan, einfach an der Zeit. So lange wir noch erwerbstätig sind, ist die Zeit begrenzt. Doch das wird mein Traum für unsere Co Aging Community: eine eigene Radiostation. Und wenn wir nur für uns und die Nachbarn senden, was solls. Im besten Falle aber verbreiten wir unsere Botschaft auch hinaus in die Welt.

In diesem Sinne: Frieden!

Ihre Celine

11 Mai

Wenn’s hart auf hart kommt

Ja, liebe Freunde, nun war es eine Weile still um unser Projekt! Das lag zum einen daran, dass ich auf Reisen war, zum anderen daran, dass eine Freundin sich verstärkt um ihre über 90 Jahre alte Mutter kümmern musste.

Kurz vor meiner Heimreise nach Österreich habe ich auf BBC1 eine sehr berührende Radiosendung gehört. Es ging um Angehörige von Alzheimer Patienten und der erste Anrufer, der sich meldete, war der berühmte ehemalige Rennfahrer Jackie Stewart! Der dreimalige Formel 1 Weltmeister ist nun „Sir Jackie Stewart“ und dieser Mann meldete sich, um über sein eigenes Schicksal zu berichten, denn seine Frau Helen ist demenzkrank. Diagnostiziert wurde das vor einigen Jahren, eine Heilung gibt es nicht, wie wir wissen. Der geadelte Rennfahrer hat mittlerweile eine Million Pfund für die Erforschung der Alzheimer Krankheit gespendet, seiner geliebten Helen wird das aber nicht mehr helfen.

Hier geht es zu Jackie Stewarts Geschichte.

Auch einige andere Betroffene meldeten sich zu Wort und erzählten, wie es ihnen in der Betreuung ihrer demenzkranken Angehörigen ergeht oder erging. Diese Geschichten berührten mich sehr und brachten mich auch zum Nachdenken, denn genau das ist es ja, was uns, die wir Co-Aging anstreben, auch zu beschäftigen hat. Die meisten von uns haben keine Kinder oder Kinder, die im Ausland leben, bei einer solchen Diagnose wäre also die einzige Option ein Pflegeheim. Doch ab wann? Ab welchem Zeitpunkt ist man bereit, seine gewohnte Umgebung zu verlassen? Und muss das sein.

Ich habe mich natürlich sofort umgehört. Denn ganz ehrlich: ich möchte mich nicht in der Situation sehen, für einen Mitbewohner eine solche Entscheidung treffen zu müssen, weil er oder sie das selbst nicht mehr kann. Ich bin über ein sehr interessantes Unternehmen gestoßen, das 24 Stunden Pflege in Österreich anbietet.

Ich denke, dass trotz aller positiven Gedanken an eine gemeinsame Zukunft im Alter, dass trotz des Hoffens, dass wir alle gesund und munter bleiben, an so etwas gedacht werden sollte. Ich habe dazu bereits mit meinen Ideenfindern gesprochen und wir wollen nun ein Formular aufsetzen, in dem jeder Einzelne, der sich an unserem Projekt beteiligt, sich für diese 24 Stunden Pflege anmeldet und konsequent dafür ausspricht, sollte er oder sie später nicht mehr in der Lage dazu sein.

Immer noch sehr in Gedanken,

Ihre Celine

09 Feb

Treppenlift? Eine gute Entscheidung.

Liebe Freunde, heute komme ich zu einem recht heiklen Thema. Nämlich, was man machen kann, wenn es mit der Mobilität bergab geht und man darum nicht mehr bergauf, sprich, in den ersten oder zweiten Stock kommt. Mit unserem Co-Aging Projekt stehen wir ja zurzeit immer noch an der Entscheidung Haus oder Wohnungen, wo und vor allem: wer. Wir haben ja auch noch Zeit. Wir, die wir uns für dieses Projekt interessieren und stark machen, sind zwischen Mitte 30 und Anfang 50, wir sind fit, wir wollen auch fit alt werden und wir versuchen, uns gesund zu halten.

Leider kann das manchmal anders kommen, als geplant, wie ich im vergangenen Jahr am Schicksal meiner Großmutter erfahren musste. Darum ist hier am Blog auch nicht viel passiert in der Zeit. Von dem abgesehen, dass ich sehr dankbar bin, überhaupt noch eine Großmutter zu haben, wurde mir im vergangenen halben Jahr schmerzlich bewusst, wie rasch das passieren kann mit der Mobilität. Mein Großmutter wird 93 und war bis zum Sommer wirklich topfit, sie ist sogar noch mit dem Fahrrad gefahren. Dann ein Sturz, Wirbel gebrochen, Halskrause über Monate hinweg und sinkende Mobilität. Man konnte förmlich zusehen, wie die Oma immer ungelenker wurde. Und trotz des Wahnsinnsglücks, dass „nicht mehr“ passiert ist, immerhin kann sie wieder normal gehen und ihren Alltag bewältigen, sind nun ein paar Sorgen aufgetaucht.

Radfahren geht nicht mehr, für die Strecken zu Fuß braucht sie eine Gehhilfe und das Treppensteigen wird zur Qual. Nachdem meine Großmutter ansonsten noch gut alleine leben kann, müssen wir als Familie nun aber überlegen, wie sie in ihrem Häuschen auf und ab kommt. Die Grundfläche ist so klein, dass man auf das obere Stockwerk als Wohnfläche nicht verzichten kann. Mein Traum, nun eine elegante Rolltreppe an der Außenwand anzubringen, ist der running gag geworden. Was aber funktionieren kann, ist ein Treppenlift. Und hier gibt es Modelle, die sogar auf kleinstem Raum Platz finden und in schmalen Treppenhäusern unterzubringen sind. Der Experte für Treppenlifte und Sitzlifte konnte mich gut beraten und mir auch die Angst nehmen, dass dann kein Platz mehr im Treppenhaus ist.

Somit ist das Problem meiner Oma gut gelöst und wir sind sehr zufrieden mit der Beratung und dem gewählten Produkt – doch was machen wir gar nicht so Alten mit diesem Erlebnis? Wir haben uns gleich mal zusammengesetzt und überlegt und sind zu einer ersten Entscheidung gekommen: grundsätzlich soll es ein ebenerdiges Objekt werden, es sei denn, wir finden ein sehr altes, sehr schönes Haus, das wir zusammen umbauen können und zu dem man einfach nicht nein sagen kann. Dann würden wir aber die Vorkehrungen für den Treppenlift gleich im Zuge des Umbaus machen.

Tja, manche Erlebnisse lassen einen sehr wach werden. Und alles hat seinen Sinn. In diesem Sinne wünsche ich noch eine schöne Woche!

Ihre Celine.

29 Okt

Gemeinschaftsräume? Brauchen wir!

Wie versprochen, hier bin ich wieder!

Jedoch nicht mit den Nachrichten zur rechtlichen Lage bezüglich Gartenhauskolonie, denn da haben wir in der Zwischenzeit absolut nichts weitergebracht, sondern zur Frage der gemeinschaftlichen Räume. Wie letztens in meinem Artikel zu den Tiny Houses und Gartenhäusern beschrieben, wären diese einzelnen frei stehenden Wohnelemente eine gute Basis für genügend individuellen Freiraum. Trotzdem lebt man aber in einer Gemeinschaft, in der man sich auf die anderen verlassen kann und sie greifbar hat. Der Nachteil der kleinen Wohnelemente ist nun aber, dass, selbst wenn diese jeweils mit Küche und Sanitärbereich ausgestattet sind, kein Platz für gemeinschaftliche Unternehmungen ist.

Wir haben nun eine Liste gemacht, was ein Gemeinschaftsbereich abdecken soll:

  • Einen Sanitärbereich für alle, die mal mehr Platz benötigen, zum Beispiel auch mit Badewanne, Waschmaschine und Trockner.
  • Eine Gemeinschaftsküche mit Aufenthaltsraum, die Küche sollte reichlich Platz für mehrere Köche bieten und mit Geschirrspüler ausgestattet sein. Der Essbereich sollte genügend Platz auch für Gäste bieten, also mindestens für 15 Personen.
  • Der sehr unsexy genannte „Aufenthaltsraum“ sollte mit Fernseher und DVD Player und reichlich Couchplätzen bestückt sein, sodass auch einmal ein gemeinsamer Filmabend drin ist.
  • Wir wünschen und alle einen großen Vorratsraum, in dem Lebensmittel gelagert werden können, denn in den kleinen Wohneinheiten benötigt man den Stauraum sicher für persönliche Dinge.

Nach einer Diskussionsrunde am Wochenende sind wir überein gekommen, dass es für diesen Gemeinschaftsbereich nun doch der klassische Camping Container sein muss. Dazu muss ich noch ein wenig recherchieren, ich habe bisher zwei Anbieter gefunden, einer davon aus Österreich. Also wieder eine Liste anlegen! Diese werde ich nach und nach updaten.

  • https://mobiles.haus/index.html
  • http://www.latra.at

 

Es bleibt weiter spannend, ich bin aber sehr froh, dass wir nun bereits definiert haben, was wir uns GEMEINSCHAFTLICH wünschen. Denn egal, wie die Dinge rundherum dann umgesetzt werden, das Gemeinsame soll es ja geben.

In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Sonntag!

Ihre Celine.

27 Okt

Kein Wohnen im Institut!

Wie ich bereits in meinem Startbeitrag beschrieben habe, wollen wir alles, nur kein institutionalisiertes Wohnen. Sprich, ein gemeindegefördertes Wohnhaus mit speziell auf „Alte“ eingerichteten Wohnungen widerstrebt unserer kleinen Gruppe genauso wie ein „Seniorenheim“, und mag dieses noch so zauberhaft sein. Wir streben ein gemeinsames Wohnen an, das beides bietet: Gemeinsamkeit und gegenseitige Unterstützung genauso wie Individualität und die Möglichkeit des Rückzugs. Das bedeutet, der berühmte Bauernhof, von dem wir träumten, als wir jung waren, würde nur nach einem kompletten Umbau funktionieren.

Ich habe mich nun über ein Jahr lang umgesehen und umgehört und bin auf ein paar sehr, sehr brauchbare Ideen gestoßen. Das Einzige, was wir für die Umsetzung benötigen, ist ein Grundstück. Die Idee wäre, auf diesem einige Wohneinheiten für uns einzurichten, die mehr oder weniger autark sind, also über eine kleine Kochgelegenheit und sanitäre Einrichtungen verfügt. Ich habe mich ja völlig in die so genannten Tiny Houses verliebt, seit ich auf der Website eines der ersten Anbieters war (eine weitere gute Seite zum Thema ist diese: www.curbed.com/tiny-homes). Die Dinger bieten wirklich alles auf kleinstem Raum. Und ganz ehrlich: im Seniorenheim hat man auch nicht mehr Platz. Ich habe sogar den leichten Verdacht, dass man nicht mal eine Baugenehmigung benötigt, da die Dinger ja auf fahrbaren Basements stehen. Aber dazu müssen wir uns erst kundig machen, ich nehme an, in den USA, woher die Tiny Houses kommen, ist das alles einfacher. Einziger Minuspunkt: werden wir mit Mitte 80 noch so toll ins Hochbett klettern können???

 

Ein Traum im Grünen, das wär’s

Eine zweite Idee kam mir, als ich letztens in der Nähe von Paris auf eine Alterscommunity stieß, die ich richtig cool fand. Das „Chateau de Bouafles“ ist an sich ein Campingplatz, doch hat sich dort eine kleine, feine Dauergemeinschaft eingerichtet. Die Menschen, meist ältere Paare, wohnen in Campingcontainern, denen man das Containerdasein aber nicht mehr anmerkt, weil im Laufe der Jahrzehnte ein jeder seinen Container sehr individuell gestaltet hat. Ich habe gestaunt, was es hier alles gibt, und das mitten im Grünen. Die Grundstückchen, auf denen die Mini Häuser stehen, waren im Schnitt 100 Quadratmeter groß und boten ihren Mietern auch noch die Möglichkeit, Rosen zu züchten oder Gemüse zu pflanzen. Eine sehr ansprechende Idee!

 

Dann kam mir – weil ich nicht nur praktisch, sondern auch ästhetisch denke, natürlich auch die Idee, ob man nicht normale Gartenhäuschen genauso nutzen könnte, denn die sehen halt ansprechender aus als ein schlichter Container. Ich habe dazu auch einen Anbieter gefunden, der die Gartenhäuschen als Gästehäuser anbietet und diese auch in einer Größe, dass man sich ein Wohnen darin vorstellen kann. Die Bilder, wie die Häuschen dann innen aussehen, haben mich extrem angesprochen. Man müsste das mal versuchen, wie diese Größe einem passt. Wohlgemerkt, die Grundfläche ist größer als bei einem Tiny House. Mehr Bilder wie dieses gibt es bei dem Gartenhaus Anbieter ISIDOR, bei dem ich auch die Fasssauna gefunden habe. Ich finde, das sind einfach die hübschesten Häuschen, die zurzeit angeboten werden.

Also – Ideen gibt es reichlich und auch bereits Menschen, die die eine oder andere Idee umgesetzt haben! Ich melde mich mit Informationen bezüglich der rechtlichen Situation der jeweiligen Möglichkeiten in Bälde wieder!

Ihre Celine.

07 Okt

Träume für das Gemeinsame – wie wär’s mit einer Fasssauna?

Wir – um das jetzt endlich mal zu verraten – das sind zwei Freunde, männlich, und ich. Wir möchten ein Konzept entwickeln, das uns ein gemeinsames Alt Werden ermöglicht, und zwar außerhalb der Normen von Gemeindeprojekten und „seniorengerechtem Wohnen“. Wir sind der Meinung, dass wir, wenn alles gut geht, mit 65 noch einigermaßen fit sein werden. Aber wir sind alle schon alt genug, um zu wissen, dass wir bis dahin keine eigenen Familien mehr gründen werden und auch keine herkömmlichen Beziehungen mehr führen werden. Sprich, jetzt, mit Mitte 50 die große Liebe kennen lernen und mit dieser dann in ein Zwei-Zimmer-Appartement ziehen? NEIN, DANKE!

Die Alternativen – so, wie wir sie bisher erfasst haben – werde ich hier in Kürze vorstellen. Wichtiger finde ich aber die Träume. Denn jeder von uns hat welche! Und wenn wir uns nicht an dem orientieren, was wir erträumen, uns wünschen, dann bleibt da nur schnödes Mittelmaß. Also habe ich eine kleine Liste an Träumen erstellt, an Dingen, die wir UNBEDINGT haben möchten, wenn wir unser Projekt dann in Angriff nehmen. Jeder durfte für den Anfang mal seinen Haupttraum nennen, egal wie verrückt:

  1. Eine gemeinsame Tafel, sprich, einen richtig großen Tisch mit Sesseln verschiedenster Stilrichtungen, an der mindestens einmal pro Woche gemeinsam gefeiert wird. Wenn wir unser gemeinsames Wohnen also so angehen, dass jeder eine komplette Wohneinheit hat, mit allem, dann soll es trotzdem diesen Gemeinschaftsraum geben, der Platz für Feiern, Diskussionen und Ideen lässt. Der Bau dieser Tafel ist bereits geplant – wir haben einen Tischler an Bord.
  2. Eine Fasssauna! Dieser Wunsch kommt von mir. Seit einem Besuch in Brandenburg, wo ich zufällig im Musterpark des Saunaherstellers Isidor landete, bin ich von diesem Ding einfach nur noch begeistert. Je nach Platzangebot in unserem Wohnprojekt wäre natürlich auch eine Schwitzhütte im Jurten Stil schön, aber ich gebe zu bedenken, dass wir ein wenig älter und bequemer werden und stehe zu meinem Sauna Fass!
  3. Die gemeinsame Band. Miteinander Musizieren ist schön, vor allem, wenn man es kann. Zwei von uns sind aktiv musizierend, einer lernt zurzeit ein Instrument. Wir möchten die Menschen, die dann mit uns leben, motivieren, auch ein Instrument zu lernen. Denn erstens ist das ziemlich gut für die Koordination und das Gedächtnis, zweitens ist es cool und drittens: wenn alle Stricke reißen, können wir uns als Straßenmusikanten durchschlagen!

Humor muss sein, um unsere Träume am Leben zu erhalten 😉

Ihre Celine.